Zukunftswoche 2026: Outlaw richtet den Blick nach vorn
Wie sieht eine Jugendhilfe aus, die jungen Menschen auch in Zukunft verlässlich zur Seite steht und gleichzeitig die Leitplanken von Politik und Gesellschaft nicht durchbricht? Mit dieser Leitfrage hat Outlaw. die Stiftung in der diesjährigen Zukunftswoche Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammengebracht. An drei digitalen Thementagen setzten Tanja Brock, Sächsische Landjugend e.V., Rainer Orban, n.i.l. Institut für systemische Weiterbildung und Prof. Dr. Walter Eberlei, Hochschule Düsseldorf, Impulse zu zentralen Zukunftsfeldern:
- Digitale Jugendhilfe – Chancen, Risiken und notwendige Rahmenbedingungen für eine zeitgemäße pädagogische Arbeit.
- Zukunftsarmut & Prävention – Strategien, um soziale Bedarfslagen frühzeitig zu erkennen und wirksam gegenzusteuern.
- Kinderrechte – Anforderungen an eine konsequent kinderrechtsbasierte Jugendhilfe.
Die Webinare bildeten jeweils den Auftakt zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Themen. Am 27. Februar kamen Fachkräfte, Referent:innen, Führungskräfte aus den verschiedensten Bereichen sozialer Arbeit sowie Studierende im Kreativ-Haus in Münster zu einem Präsenztag zusammen. Dort wurden die Impulse durch weiterführende Vorträge und praxisorientierte Workshops aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt.
Ergebnisse fließen in die strategische Weiterentwicklung ein
Die Zukunftswoche ist ein zentraler Baustein der strategischen Ausrichtung von Outlaw. Alle Erkenntnisse, Diskussionspunkte und Hinweise aus den digitalen Impulsen und dem Präsenztag werden systematisch ausgewertet und in die laufende Strategiearbeit integriert. Ziel ist es, die Angebote der Jugendhilfe so auszurichten, dass sie auch in einem sich wandelnden gesellschaftlichen Umfeld wirksam bleiben.
Aus der Zukunft zurück in die Gegenwart – Jugendhilfe neu denken
Die Zukunftswoche von Outlaw liest sich wie ein Seismograf für eine Jugendhilfe, die spürt, dass sich ihre Welt schneller verändert, als viele Strukturen mithalten können. Vier Tage lang – drei digital, einer analog in Münster – tastete sich die Organisation an die Frage heran, wie man jungen Menschen künftig gerecht wird, wenn gesellschaftliche Brüche tiefer werden, Technologien schneller, und politische Versprechen fragiler. Wie sieht Jugendhilfe im Jahr 2036 aus? Von da aus ging es in kleinen Schritten zurück ins Jahr 2026. Das Ergebnis: Konkrete Ideen, welche Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden können, welche Fragen beantwortet werden müssen und welche Entwicklungen unberechenbar bleiben.
Kinderrechte zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Gleich zu Beginn setzte Prof. Dr. Eberlei einen Ton, der hängen blieb. Er sprach nicht über Kinderrechte als moralische Selbstverständlichkeit, sondern als Prüfstein politischer Ernsthaftigkeit und fundamentaler Haltung. „Ob Kinderrechte mehr sind als ein Lippenbekenntnis“, so Eberlei, „entscheidet sich an drei Punkten: der politischen Verankerung, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der pädagogischen Wirksamkeit.“
Es war einer dieser Sätze, die den Raum kurz still machen. Weil er benennt, was alle wissen: Rechte auf dem Papier sind leicht. Rechte im Alltag sind Arbeit – und manchmal Kampf.
Zukunftsarmut: Der blinde Fleck der Jugendhilfe
Rainer Orban rückte ein Thema ins Licht, das oft erst sichtbar wird, wenn es zu spät ist. Zukunftsarmut – ein Wort, das nach Statistik klingt, aber eigentlich von Biografien erzählt. „Die Jugendhilfe setzt häufig zu spät an“, sagte Orban. „Es reicht nicht, erst dann zu handeln, wenn Jugendliche in kritischen Situationen sind. Wir müssen früher in den Familien beginnen.“
Sein Impuls wirkte wie ein Spiegel: Die Systeme, die helfen sollen, greifen oft erst, wenn die Krise schon da ist. Prävention, so Orban, müsse endlich das werden, was sie verspricht – ein Anfang, nicht ein Nachbessern.
Digitale Jugendhilfe: Zwischen Lebenswelt und Leitplanke
Tanja Brock sprach über Digitalisierung, aber nicht über Tools oder Apps. Sie sprach über Haltung. „Digitale Jugendhilfe braucht ein tiefes Verständnis der Lebenswelten der Adressat:innen“, sagte sie. „Und sie braucht den mutigen Einsatz von KI, um pädagogische Arbeit weiterzuentwickeln – bei klaren Rahmenbedingungen wie Datenschutz und Cyber-Sicherheit.“
Es war ein Plädoyer dafür, digitale Jugendhilfe nicht als Zusatz zu denken, sondern als Teil der Realität junger Menschen. Und als Aufgabe, die technische Kompetenz und pädagogische Sensibilität gleichermaßen verlangt.
Münster: Ein Tag, an dem die Themen greifbar wurden
Am 27. Februar trafen sich Fachkräfte, Referent:innen und Führungskräfte in Münster. Die Webinare hatten die Fragen gestellt – die Workshops versuchten, Antworten zu finden. Es wurde diskutiert, gestritten, gelacht, verworfen, neu gedacht. Die Themen, die digital begonnen hatten, bekamen Körper, Stimmen, Widersprüche.
Was bleibt
Outlaw hat angekündigt, alle Ergebnisse in die eigene Strategiearbeit einfließen zu lassen. Das klingt nüchtern – und ist doch ein Versprechen. Denn die Zukunftswoche hat gezeigt, dass Jugendhilfe nur dann Zukunft hat, wenn sie bereit ist, sich selbst zu verändern.
Susanne Wolff, Vorständin der Stiftung und Outlaw-Geschäftsführerin, fasste den Tag so zusammen: „Diese Zukunftswoche hat uns gezeigt, wie viel Mut in unserer eigenen Branche steckt – und wie viel Veränderungskraft wir entfalten können, wenn wir uns trauen, die richtigen Fragen zu stellen. Wir haben über Kinderrechte gesprochen, nicht als schöne Worte, sondern als Maßstab für politisches Handeln. Wir haben Zukunftsarmut sichtbar gemacht, bevor sie für Jugendliche zur Krise wird. Und wir haben Digitalisierung nicht als Technikthema verhandelt, sondern als Teil der Lebensrealität junger Menschen. Dieser Tag sollte mit all seinen Impulsen und Gedanken stören. Ich glaube, das ist uns gelungen.
Was mich besonders bewegt: Die Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen und Neues zuzulassen. Kinder- und Jugendhilfe wird nur dann Zukunft haben, wenn wir uns selbst dieser veränderten Welt hinterfragen – fachlich, strukturell und in unserer Haltung. Diese Woche war kein Abschluss, sondern ein Anfang. Wir nehmen die Impulse mit in unsere Strategiearbeit, aber vor allem in unseren Alltag. Denn Zukunft entsteht nicht in Konzeptpapieren, sondern in der täglichen Begegnung mit jungen Menschen.“
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