Waterkant Werkstattpädagogik bei Outlaw in Berlin: Neue Perspektiven für Kinder und Fachkräfte

Mit dem Weg hin zur Waterkant Werkstattpädagogik möchten wir unseren Berliner Kitas ein klares, zukunftsorientiertes Profil geben. Der Ansatz von Christel van Dieken ermöglicht es, den steigenden Anforderungen im Bildungsbereich gerecht zu werden und auf demografische sowie politische Veränderungen zu reagieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kinder und deren bestmögliche individuelle Förderung. In offenen Werkstätten können sie Neues entdecken, ihre Interessen vertiefen und ihre Fähigkeiten entfalten. 

Bis 2030 werden alle Berliner Outlaw-Kindertagesstätten nach der Waterkant Werkstattpädagogik arbeiten. Im Fachgespräch sprach Klaudia Pacon mit der Entwicklerin der Waterkant Werkstattpädagogik Christel van Dieken über den Ansatz und reflektierte anschließend gemeinsam mit Christine Huinink, Fachbereichsleitung Kita / Pädagogische Leitung Kitas Berlin, die sich daraus ergebenden Perspektiven für Outlaw in Berlin.

Besonderheit des Ansatzes und Bedeutung für Kinder

Die Werkstattpädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, der Lernen als selbstgestalteten Prozess begreift. Kinder erhalten die Möglichkeit, in speziell eingerichteten „Werkstätten“ eigenständig zu entdecken, zu experimentieren, zu gestalten und zu produzieren. Ziel ist es, ihre individuellen Fähigkeiten und Ausdrucksformen zu fördern und sie in ihrer Selbstständigkeit zu stärken. Damit Kinder ihren Kita-Alltag möglichst selbstbestimmt erleben können, sind bestimmte Rahmenbedingungen erforderlich. Christel van Dieken erklärt: „Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Erwachsenen den Kindern zutrauen, ihre eigenen Fähigkeiten selbstbestimmt zu entdecken und zu entfalten und zugleich erkennen, wo sie dabei Unterstützung benötigen. Außerdem braucht es ein Raumkonzept, in dem sich die Kinder frei bewegen können. Grundlage dafür ist das offene Konzept.“

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Die Werkstattpädagogik ergänzt klassische Funktionsräume aus dem offenen Konzept, wie Bau- oder Rollenspielbereiche, durch zwei zentrale Aspekte, wie Frau van Dieken beschreibt: „Erstens werden in den Räumen auch Materialien und Bereiche aus anderen Bildungsfeldern integriert, immer mit dem Schwerpunkt des Raumes. Zum Beispiel gibt es im Bau- und Konstruktionsbereich nicht nur Baumaterialien, sondern auch eine Staffelei, an der Häuser gemalt werden können oder Postkarten von Häusern. Zweitens gibt es Werkstattbereiche, in denen Kinder etwas herstellen, produzieren und praktisch tätig sein können.“ Christel van Dieken betont dabei, dass die Werkstattpädagogik weit mehr als ein theoretisches Konzept ist: „Die Zielsetzung ist, wie in anderen pädagogischen Ansätzen auch, den Kindern bestmögliche Entwicklungsbedingungen zu bieten. Meine These ist, dass die Werkstattpädagogik das passende Handlungskonzept liefert. Sie zeigt, wie theoretische Anforderungen mit der Realität verknüpft werden können. Kinder können dabei herausfinden: Was ist meine Stärke, meine Kompetenz, meine Ausdrucksform?“

Die große Chance für die Kinder zeigt sich auch im Rahmen unseres Prozesses hin zur Waterkant Werkstattpädagogik, wie Christine Huinink beschreibt: „Genau das ist unsere Motivation, diesen Weg zu gehen. Wir sehen, wie gut die Kinder das Konzept annehmen. Es eröffnet ihnen enorme Entwicklungsmöglichkeiten, da sie eigene Entscheidungen treffen und neue Fähigkeiten entfalten können.“

Veränderungsprozess und Implementierung bei Outlaw

Outlaw verfolgt mit der Waterkant Werkstattpädagogik das Ziel, mit dem Augenmerk auf den Kindern, ein klares Profil und Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. Die Umsetzung erfolgt begleitet von gezielten Maßnahmen und Unterstützung für die Teams.

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Für die Implementierung ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend. Christel van Dieken betont, dass insbesondere die Trägerführung eine zentrale Rolle spielt: „Es muss beim Träger Menschen geben, die motiviert sind, sich damit auseinanderzusetzen und zu sagen: Das möchte ich meinen Mitarbeitenden ermöglichen. Nur so kann ein Konzept nachhaltig in allen Einrichtungen verankert werden.“ Außerdem empfiehlt sie einen klaren Entwicklungsplan: „Es ist wichtig, ein Konzept zu haben, wie der Veränderungsprozess aussehen soll: Wo wollen wir in fünf Jahren, in zwei Jahren und in einem Jahr stehen? Und, dass alle Leitungen frühzeitig mitgenommen werden, damit sie sagen: Wir wollen das.“ 

Leitungen werden deshalb intensiv begleitet, bevor Mitarbeitende Schritt für Schritt eingebunden werden. Auch die praktische Begleitung durch eine Fachberatung sei zentral. „Man braucht intensive Vorbereitung, um dann die Frage zu stellen: Wer könnte sich vorstellen, Expert:in wofür zu sein? Das ist ein Prozess, der Zeit braucht, aber es gibt immer Lösungen, wie Mitarbeitende ihre Stärken einbringen können.“

Die von Christel van Dieken genannten Voraussetzungen und Empfehlungen greifen wir in Berlin auf und übersetzen sie in konkrete Schritte. Christine Huinink fasst den aktuellen Stand zusammen: „Wir werden einen Schwerpunkt setzen, der zeigt, wofür wir stehen und der den Kindern gleichzeitig die größtmöglichen Entwicklungschancen eröffnet. Einige Einrichtungen, wie die Kita Wundtstraße, die Kita Heerstraße, die Kita Alt-Wittenau und die Kita Kaiser-Friedrich-Straße, sind bereits auf dem Weg. Andere, darunter die Kita Am Nettelbeckplatz, befinden sich noch in der Implementierungsphase. Hospitationsmöglichkeiten ermöglichen es dabei den Teams, an den Prozessen der Pilotprojekte teilhaben zu können und Begeisterung für das Konzept zu entwickeln.“

Einen wichtigen Auftakt für die Kolleg:innen bildete unsere 20-jährige Jubiläumsfeier von Outlaw in Berlin. Dort begeisterte Christel van Dieken die Mitarbeitenden mit ihren Ausführungen zur Werkstattpädagogik und machte deutlich, wie Fachkräfte eigene Stärken einbringen und Räume gestalten können. Im Anschluss nahm sie sich Zeit, die Räume der Kita Heerstraße gemeinsam mit den Pädagog:innen zu begehen und konkrete Tipps für die Raumgestaltung zu geben. 

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An diesen Auftakt knüpfen wir direkt an. Im Oktober finden zwei Fachtage für die Kitaleitungsteams statt, bei denen das Konzept vertieft und praktische Umsetzungsmöglichkeiten vermittelt werden. Darüber hinaus werden die Leitungsteams sowie die Kolleg:innen in den Teams durch zwei qualifizierte Multiplikator:innen kontinuierlich begleitet. 

„Die aktuellen Rahmenbedingungen erfordern, dass wir uns eindeutig positionieren und ein Alleinstellungmerkmal entwickeln. Genau das tun wir mit der Implementierung der Werkstattpädagogik und dem Engagement und Einsatz der Kolleg:innen“, betont Christine Huinink abschließend. 

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