Theater für Kinder von Kindern: Outlaw-Kita Mittelbruchzeile zeigt "Die kleine Raupe Nimmersatt"
Fast fünf Monate fieberte die Theatergruppe der Outlaw-Kita Mittelbruchzeile dem großen Tag entgegen: Am 11. März war es endlich soweit und 15 Kinder zwischen vier und sechs Jahren präsentierten ihre diesjährige Premiere vor einem ebenso aufgeregten Publikum. Seit November 2024 erarbeiteten die sieben Mädchen und acht Jungen gemeinsam mit Sabine Franz, Outlaw-Facherzieherin für Integration, und Heike Faltin, einer ehemaligen Kitamutter, ihre Version des Kinderbuchklassikers "Die kleine Raupe Nimmersatt". Dafür kammen sie jeden Montag für eine Stunde zusammen und tasteten sich langsam an das Stück heran.
"Wir machen das ja nun einige Jahre. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, den Kindern zu ermöglichen, in eine andere Rolle zu schlüpfen, sich auszuprobieren, ihre Persönlichkeit auf diese Weise spielerisch in einem geschützen Rahmen zu entfalten – das stärkt das Selbstbewusstsein", sagt Sabine Franz und führt weiter aus: "Wir benutzen bei den Proben nicht alltägliche Wörter wie z.B. Lampenfieber, Generalprobe, Requisiten – die Kinder entwickeln dadurch eine höhere Sprachkompetenz. Aber auch Kinder, die noch Barrieren haben, können sich in Rollen verwirklichen, die wenig Textpassagen haben. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl – das Gefühl 'Wir schaffen es zusammen'. Außerdem lernen sich Kinder aus den unteren Abteilungen in einer neuen Situation kennen und es entstehen neue Spielpartnerschaften bzw. vorhandene wachsen weiter."
Zum Start wurden alle interessierten Kinder auf die Proben eingeladen. Heike Faltin und Sabine Franz spielten ihnen Szenen vor und verbalisierten den Ablauf. So erhielten die Kinder ein grobes Bild von dem Theaterspiel und waren in der Lage bei der dritten Probe die Entscheidung zu treffen, ob sie in der Gruppe verbleiben wollten. Dann ging es an die Rollenverteilung. Die Raupe, der Schmetterling und die Lebensmittel, durch die sich die kleine Raupe Nimmersatt vor ihrer Verpuppung und Verwandlung durchschlemmt, wurden doppelt besetzt. "Es passiert immer wieder, dass Kinder ausfallen oder von ihrer Rolle nicht so überzeugt sind, eine Doppelbesetzung nimmt den Druck", erklärt Sabine Franz. An Kostümen und Requisiten probierte die Gruppe einiges aus und schnell war dann klar, wer die Raupen, Schmetterlinge oder die Lebensmittel spielen wollte. Die Lebensmittel-Kinder kleideten sich mit dunklen Hosen und weißen Oberteilen, sodass die gebastelten Lebensmittel besser zur Geltung kamen. Als musikalische Nummern studierten alle die Lieder "Die kleine Raupe Nimmersatt" und "Wir werden immer größer" ein. Am Anfang ließen sie die CDs zur Unterstützung mitlaufen, aber bald konnten die Kinder den Text auswendig und sangen voller Inbrunst ohne Hilfe.
Vor dem großen Tag gab es noch eine Generalprobe und schließlich stand der Premierentag vor der Tür: Am 11. März führten sie das Stück um 9:45 Uhr und um 10:30 Uhr für die Kinder der Mittelbruchzeile und der Waldshuter Zeile auf. Die Eltern der Schauspiel-Truppe waren ebenso eingeladen sowie die Geschwisterkinder. "Der Bruder eines der Schauspieler war sehr spontan und spielfreudig, seine Mutter sprach uns an, ob er mitmachen dürfte und wir nahmen ihn begeistert auf", erinnert sich Sabine Franz. Auch gab es umgekehrt den Fall, dass ein Schmetterlings-Mädchen bei der zweiten Aufführung nicht spielen wollte. So sprang die Besetzung der ersten Aufführung ein und spielte den Schmetterling nochmal. "Manchmal ist die Aufregung einfach zu groß und durch die Doppelbesetzung haben die Kinder auch nicht das Gefühl, jemanden hängen zu lassen", erzählt Sabine Franz und lächelt: "Ich arbeite ja schon seit 40 Jahren in der Einrichtung und nun spielte von einem ehemaligen Kind der Sohn bei dem Stück mit und die Oma, damals Mutter, sah zu. Das war schon sehr rührig für mich. Auch als ein Junge, der im letzten Jahr mitgespielt hat, immer wieder auf mich zukam und sagte: 'Nicht, ich wollte jetzt nicht mitspielen.' Umso mehr ich freute mich, als er nach der Vorstellung sagte, dass es ihm gefallen hat."
Allgemein begeisterte die Schauspieltruppe ihr Publikum. Zwischen den Aufführungen konnten sich alle Kinder mit Obst und einem Getränk stärken. Nach der zweiten Vorstellung erhielten schließlich die jungen Schauspieler:innen nach großem Applaus auch jeweils ein kleines Geschenk – gesponsert aus der Fördervereinskasse. "Heike Faltin hat eine Blume erhalten – es ist ein symbolisches Dankeschön, denn es ist gar nicht in Worte zu fassen, wie dankbar wir für ihr ganzes Engagement sind. So viele Jahre führt sie ehrenamtlich mit mir das Projekt durch. Sie zeigt dabei so viel Freude, Ideen und Engagement. Ich bin froh, dass sie es auch weiterhin machen möchte, obwohl sie seit ein paar Monaten in Rente ist", sagt Sabine Franz. Ein großer Dank geht auch an das gesamte Kollegium, das Sabine Franz den Rücken freigehalten haben und sie beim Informieren der Familien unterstützt hat.
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