Mit Betriebssozialarbeit die Ausbildung schaffen: Neues Angebot für Unternehmen & Azubis
Das ist die aktuelle Lage: Sachsenweit sind zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt, jede:r dritte Auszubildende ist unzufrieden, die Abbruchquote ist hoch. Der Mangel an Auszubildenden ist bundesweit so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Ursachen sind komplex: Neben der Leistungsbereitschaft und der Leistungsfähigkeit sowie dem Berufswahlverhalten von Auszubildenden, zählen auch betriebliche Ausbildungsbedingungen, die Qualität der Ausbildung und auch die positive Lage am Ausbildungsmarkt für Jugendliche laut Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) dazu. Gibt’s Probleme im Ausbildungsverhältnis, tendieren Azubis schneller zu einem Wechsel oder Abbruch, da sie relativ einfach einen anderen Ausbildungsplatz finden.
Hier setzt das innovative Angebot am Standort Meißen an, das zunächst an den Standorten Meißen und Dresden, später auch outlaw-weit angeboten werden soll. Das Ziel ist, Auszubildende in lokalen Betrieben und Unternehmen aller Branchen zu unterstützen, betreuen und begleiten (angelehnt an §§ 30, 31 i.V.m. 41 SGB VIII), um eine erfolgreiche Ausbildung zu gewährleisten. Das Konzept zur „Betriebssozialarbeit – AzubiPLUS“ erarbeitete Outlaw-Gesamtleiter Stephan Liebegall mit dem Kollegen Daniel Schneider am Standort Meißen: „Unsere langjährige Erfahrung in der pädagogischen Begleitung Jugendlicher und junger Erwachsener, insbesondere in der beruflichen Orientierung und Stabilisierung, hat uns auf die Idee gebracht, dieses spezielle Angebot zu entwickeln.“
Fehlende Azubis in den Betrieben: Knapp ein Drittel der Ausbildungsverträge werden aufgelöst
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Bewerber:innen-Zahlen auf Ausbildungsplätze sinken. Die Folge: Um überhaupt Auszubildende einzustellen, müssen Ausbilder-Betriebe Bewerber:innen anstellen, die nicht die notwendigen Qualifikationen, Schulabschluss oder s Lebensumstände mitbringen. Gleichzeitig bleiben die Anforderungen an die Ausbildung, wie schulische Leistungen, Mobilität und soziale Kompetenzen, bestehen. „Dies führt dazu, dass potenzielle Auszubildende oft nicht ausgewählt werden, da die notwendige Unterstützung seitens der Unternehmen fehlt und institutionelle Unterstützungsangebote, wie bspw. durch die Agentur für Arbeit nicht annähernd die Bedarfe decken können“, erklärt Stephan Liebegall. Zusätzlich steigt die Zahl der Ausbildungsabbrüche kontinuierlich an: Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung wurden im Jahr 2022 über 155.000 Ausbildungsverträge aufgelöst, was einer Abbruchquote von 29,5% entspricht. Ein Drittel dieser Abbrüche erfolgt noch während der Probezeit, ein weiteres Drittel im ersten Ausbildungsjahr.
Betriebssozialarbeit: Weniger Ausbildungsabbrüche, höhere Qualität der Ausbildung
Hier setzt die Betriebssozialarbeit an: Mit Coachings für Ausbildungsleiter:innen und für die Auszubildenden verantwortlichen Vorgesetzten sollen Unternehmen und Auszubildende unterstützt werden – bei Bedarf beraten wir auch bei der Bewerber:innenauswahl an. „Unser Ziel ist es, die Chancen zu verbessern, dass Auszubildende erfolgreich durch ihre Ausbildung geführt und begleitet werden, um so Ausbildungsabbrüche zu vermeiden“, ordnet Stephan Liebegall den Ansatz ein und führt weiter aus: „Durch unser neues Angebot bieten wir Unternehmen eine kosteneffiziente Lösung, die Abbruchquote in der Ausbildung zu senken und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung zu erhöhen. Die finanzielle Gegenrechnung zeigt deutlich, dass die Betreuung und Begleitung durch unseren Service wesentlich günstiger ist als die Kosten, die durch einen Abbruch der Ausbildung entstehen.“
Über Kooperationsvereinbarungen können drei verschiedene Module gebucht werden:
S: Individuelle, anlassbezogene Begleitung mit expliziten Themenschwerpunkten auf Basis von Stundenhonoraren
- Vermittlung und Begleitung zu Ämtern und Behörden, Unterstützung bei Antragsstellungen, Schaffung von Wohn- und Finanzstabilität, alters- und situationsspezifische Begleitung (z.B. Wohnungssuche, Führerschein, Suchtproblematiken, psychische Gesundheit)
M: Begleitung und Betreuung über ein Lehrjahr
- Ganzheitliche Begleitung, die das gesamte System des Auszubildenden einbezieht (Familie, Freundeskreis, Wohn- und Finanzsituation, psychische Gesundheit, Sozialverhalten, Ämterunterstützung)
- Unterstützung der Auszubildenden dabei, persönliche Entwicklungsschwierigkeiten zu überwinden, ohne schmerzhafte Beziehungsabbrüche im sozialen Umfeld
L: Begleitung und Betreuung während der gesamten Ausbildungszeit
- Langfristige Zusammenarbeit mit den Auszubildenden und den jeweiligen Ansprechpartner:innen in den Unternehmen
- Umfassende Arbeit an persönlichen Lebensumständen zur Stabilisierung und Verstetigung im jeweiligen Ausbildungsbetrieb
- Einsatz von Beratung, Begleitung (z.B. zu Ärzten, Ämtern), Vorbereitung wichtiger Termine, Kontrolle von Vereinbarungen sowie bei Bedarf Vermittlung zusätzlicher spezieller Angebote wie Suchtberatung und Therapie
Alle wichtigen Informationen findet ihr zum Nachlesen auch in unserem Flyer.
Start nach den Sommerferien
Aktuell erarbeitet das Team Material, um an Unternehmen heranzutreten und das Angebot der Betriebssozialarbeit vorzustellen – parallel läuft die Firmenakquise. Wenn von euch jemand Kontakte zu Unternehmen in der Umgebung hat, die das Team nutzen darf, dann meldet euch gerne bei Stephan Liebegall (stephan.liebegall@outlaw-ggmbh.de). Nach den Sommerferien soll das Angebot dann an den Start gehen.
Quellen:
https://sachsen-jugend.dgb.de/arbeit-und/ausbildungsreport
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/lehrstellen-suche-ausbildung-azubi-abbrecher-100.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/ausbildung-abbruch-arbeitsmarkt-job-jugendliche-ausbildungsvertraege-loesung-100.html
https://www.bibb.de/dokumente/pdf/Datenreport%202022_20102022_online.pdf