Kita-Bündnis NRW positioniert sich zu "ABC-Klassen": Früh investieren statt spät reparieren!
Das Kita-Bündnis NRW spricht sich klar gegen die geplante Einführung verpflichtender schulischer Vorkurse („ABC-Klassen“) aus. Zum Ende der Verbändeanhörung zum 18. Schulrechtsänderungsgesetz hat das Bündnis heute seine Stellungnahme eingereicht.
Hier geht's zur gemeinsamen Stellungnahme.
"Der Gesetzentwurf setzt zum falschen Zeitpunkt der Bildungskette und in einem systemischen Widerspruch zur laufenden KiBiz-Reform an. Er droht, bestehende Probleme zu verschärfen, anstatt effektive und nachhaltige Lösungen zu schaffen“, erklärt Fröbel-Bereichsleiter Marek Körner. Zwar sei der Handlungsbedarf angesichts sprachlicher Defizite bei rund einem Drittel der Kinder unbestritten. Doch anstatt frühzeitig in die Qualität der Kitas zu investieren, schaffe das Land neue Parallelstrukturen kurz vor der Einschulung – bei gleichzeitigem Qualitätsabbau im Kinderbildungsgesetz.
Während mit den „ABC-Klassen“ zusätzliche, kostenintensive Angebote aufgebaut werden, schwächen geplante Kern- und Randzeiten sowie abgesenkte Personalschlüssel die alltagsintegrierte Sprachbildung in Kitas. „Politik gibt vor, frühkindliche Bildung zu entlasten, um hohe Defizite später teuer zu reparieren. Das ist weder fachlich schlüssig noch nachhaltig“, so Vera Hopp, Geschäftsführerin des VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e. V. Sprachförderung werde faktisch auf das fünfte Lebensjahr verlagert bzw. beschränkt. Zentrale Phasen des Spracherwerbs seien dann aber bereits abgeschlossen. Gleichzeitig frage man sich, woher 1.650 zusätzliche Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und Begleitpersonen kommen sollen.
„Schon heute fehlen Fachkräfte in Schulen und Kitas gleichermaßen. Statt Systeme gegeneinander auszuspielen, braucht es eine gemeinsame Stärkung der frühkindlichen Bildungskette“, sagt Marcus Bracht, Geschäftsführer von educcare Bildungskindertagesstätten. Auch der logistische Aufwand sei kritisch: „Rund 110 Millionen Euro jährlich für Beförderungskosten sowie erhebliche Investitionen in Räume und Ausstattung stehen einer gleichzeitig abgesenkten KiBiz-Finanzierung gegenüber. Spät, teuer und fragmentiert wird investiert – statt früh, wirksam und systemstärkend!“
„Nachhaltige Sprachentwicklung gelingt durch alltagsintegrierte Sprachbildung in stabilen Beziehungen – nicht durch punktuelle, defizitorientierte und stigmatisierende Vorkurse“, betont Ute Jansen von der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe. „Kitas arbeiten kontinuierlich und im engen Austausch mit Familien. Das ist die wirksamste Form der Sprachbildung, und mit BaSiK ist ein bewährtes Instrument zur alltagsintegrierten Sprachbeobachtung bereits etabliert. Notwendig sind Investitionen in Fachkräfte, Qualifizierung und multiprofessionelle Kooperation – nicht neue schulische Sonderstrukturen!“
„Politik muss den Mut haben, früher zu investieren, statt später zu kompensieren“, so Annette Holtmann und Dr. Jürgen Reul, Geschäftsführung von Kinderzentren Kunterbunt / Villa Luna. „Wirksame Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder sind: in den Kitas, im Alltag, vom ersten Tag an.“
Über das Kita-Bündnis NRW:
Um dem drohenden Qualitätsabbau in der frühkindlichen Bildung entgegenzutreten, haben sich freie Kita-Träger mit der GEW NRW im Kita-Bündnis NRW zusammengeschlossen. Drei Viertel aller Kitas in NRW sind freier Trägerschaft organisiert.