Aktuell vorgelegtes Reformpapier greift zu kurz: Kita-Bündnis NRW fordert Nachbesserungen bei KiBiz-Eckpunkten
Für das Kita-Bündnis NRW greifen die aktuell vorgelegten Eckpunkte für ein neues Kinderbildungsgesetz entschieden zu kurz: „Rein kosmetische Korrekturen am alten Kurs, verbunden mit tiefen Einschnitten in die Personalschlüssel der Kitas durch Einführung von so genannten Kern- und Randzeiten sichern keine qualitativ hochwertige, verlässliche und zukunftsfeste frühe Bildung und Betreuung“, sagt Marek Körner, Fröbel-Bereichsleiter West. „Was wir jetzt brauchen, sind nachhaltige Verbesserungen, erkennbaren Bürokratieabbau und eine Reform, die ihren Namen verdient!“
Seit Jahren leiden Kitas in NRW unter struktureller Unterfinanzierung. Eine vollständige und direkte Kostendeckung von Tarifsteigerungen sowie steigenden Energie- und Sachkosten dürfe nicht länger auf Träger und Eltern abgewälzt werden. „Nötig ist eine automatische Finanzierung der tatsächlichen Kostensteigerungen – nicht erst mit erheblicher Verzögerung und mit erhöhtem bürokratischem Aufwand, der uns freie Träger seit Jahren belastet“, so Körner. „Wir brauchen eine gemeinsame Entgeltkommission von Ministerium und Spitzenverbänden, die jährliche Anpassungen verbindlich beschließt.“
Das Kita-Bündnis unterstützt die angekündigte Personaloffensive, fordert jedoch konkrete Maßnahmen: einen deutlichen Ausbau der praxisintegrierten Ausbildung (PiA), eine bessere Finanzierung und Freistellung für Praxisanleitungen sowie eine landesweite Fachkräftekampagne. „Die Praxisanleitung ist längst unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung“, sagt Ute Jansen, Outlaw-Geschäftsleitung Kita. „Gerade in diesem Bereich kann und muss das Land die vom Bund freigegebenen KiQuTG-Mittel zweckgebunden einsetzen. Qualifikationsstandards weiter abzusenken, lehnen wir ab. Die Qualität und Attraktivität des Berufs dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden.“
Die weiterhin geplante Einführung von Kern- und Randzeiten lehnt das Kita-Bündnis entschieden ab: „Bildung lässt sich nicht in Zeitfenster mit unterschiedlichen Betreuungsqualitäten zerlegen“, sagt Vera Hopp, Geschäftsführerin VKJ Ruhrgebiet. Eingeschränkte Betreuungszeiten gefährdeten nicht nur den Bildungsanspruch – mit negativen Folgen etwa für die so wichtige Sprachentwicklung und -förderung in der Kita – sondern auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Nachsehen hätten vor allem Mütter, die nachweislich immer noch die Hauptlast der Sorgearbeit innerhalb der Familien tragen.
Kritisch bewertet das Kita-Bündnis auch die angekündigten Milliarden Euro für Investitionen – ohne eine klare Richtungsentscheidung. Angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge sei offen, wofür diese Mittel perspektivisch eingesetzt werden sollen, sagt Marcus Bracht, Geschäftsführer der educcare Bildungskindertagesstätten. „Statt auf Neubauten ohne realen Bedarf zu setzen, braucht es eine verlässliche Kostenanpassung bei Personal und Sachmitteln – sofort und dauerhaft. Zudem fordern wir die Abschaffung des Trägeranteils. Nur freie Träger müssen diesen aus eigener Tasche aufbringen und aufwendig nachweisen. Das führt zu Ungleichheit und bremst notwendige Investitionen.“
Positiv bewertet das Bündnis die geplante Vereinfachung bei Verwendungsnachweisen und die Integration von Förderprogrammen wie Sprach-Kitas und plusKITAs. Entscheidend ist aber, dass zusätzliche Mittel nach einem Sozialindex chancengerecht verteilt werden.
Über das Kita-Bündnis NRW:
Drei Viertel aller Kitas in NRW sind freier Trägerschaft organisiert. Um dem drohenden Qualitätsabbau entgegenzutreten, haben sich freie Kita-Träger gemeinsam mit der GEW NRW im Kita-Bündnis NRW zusammengeschlossen.