KiBiz-Reform und Rücktritt der Familienministerin: Outlaw-Geschäftsführerin Susanne Wolff im Kurzinterview
Josefine Paul ist zurückgetreten. Als zuständige Ministerin war sie maßgeblich für die KiBiz-Reform verantwortlich. Die Inhalte der Reform wurden vor allem von Fachakteuren kontrovers diskutiert und hinterfragt. Gerade für freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe stellte die Reform neue Hürden auf. Eine in Form weiterer finanzieller Engpässe. Als unmittelbare Reaktion auf das Ereignis hat Ulrike Feierabend, Leitung Marketing/Kommunikation, ein Kurzinterview mit Susanne Wolff, Geschäftsführerin der Outlaw gGmbH, geführt.
Susanne, der Rücktritt von Ministerin Paul hat nicht alle überrascht. Wie bewertest du dieses Ereignis mit Blick auf die KiBiz-Reform?
SW: Der Rücktritt sorgt zunächst für Unsicherheit – und davon haben die Kitas in NRW ohnehin genug. Gleichzeitig eröffnet er aber die Chance, die KiBiz‑Reform noch einmal grundsätzlich zu überdenken. Wir brauchen keine kosmetischen Korrekturen, sondern eine echte strukturelle Neuaufstellung. Vielleicht ist dies die Chance für einen neuen offenen Dialog.
Was heißt das konkret?
SW: Die Reform war in ihrer bisherigen Form nicht geeignet, die massiven Herausforderungen im System zu lösen. Die Finanzierung bleibt unzureichend, kleine Einrichtungen stehen vor dem Aus, und die geplanten Kern‑ und Randzeiten hätten die Realität vieler Familien ignoriert. Kurzum: Die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt einer pädagogisch hochwertigen Kinderbetreuung lassen sich so nicht umsetzen. Jetzt besteht die Möglichkeit, diese Punkte neu zu bewerten und zu verhandeln – und zwar gemeinsam mit der Praxis.
Viele Träger sprechen von einer „dramatischen Lage“ in den Kitas. Teilst du diese Einschätzung?
SW: Absolut. Wir erleben täglich, wie angespannt die Situation ist: Sinkende Kinderzahlen, steigende Anforderungen, fehlende Planungssicherheit. Die Einrichtungen arbeiten am Limit. Das System hält nur, weil Fachkräfte und Träger über ihre Grenzen gehen. Langfristig funktioniert das nicht. Wir benötigen sichere Rahmenbedingungen, um eine zukunftsfähige Strategie zu entwickeln.
Was erwartest du von der neuen Ministerin Verena Schäffer?
SW: Vor allem Dialogbereitschaft und Mut. Wir brauchen eine Ministerin, die die Realität in den Einrichtungen ernst nimmt und die Reform nicht als Verwaltungsakt versteht, sondern als Chance, die frühkindliche Bildung in NRW zukunftsfähig zu machen. Dazu gehört auch, die Finanzierung - gerade wegen Einflussfaktoren wie sinkende Kinderzahlen, veränderte Arbeitssituationen - auf stabile Beine zu stellen.
Welche Rolle spielt die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt in dieser Debatte?
SW: Eine sehr große. Die Kita ist der erste Baustein im Bildungssystem – aber sie ist eingebettet in ein viel größeres Gefüge. Wenn wir über Reformen sprechen, müssen wir Jugendhilfe als gesellschaftlichen Auftrag mitdenken: Prävention, Familienunterstützung, Hilfen zur Erziehung, umfassende Schulprojekte im Zusammenhang mit politischer Bildung und vieles mehr. Die Systeme hängen zusammen. Eine starke Kita-Landschaft stärkt auch die Jugendhilfe – und umgekehrt.
Was wäre aus deiner Sicht der wichtigste nächste Schritt?
SW: Ein echter Neustart des Reformprozesses. Mit klaren Zielen, verbindlicher Beteiligung der Träger und einer ehrlichen Analyse der Bedarfe. Und vor allem: einer Finanzierung, die den Anspruch an Qualität auch ermöglicht. Ohne diese Grundlage bleibt jede Reform Stückwerk.
(Das Gespräch wurde am 27. Januar um 16:00 Uhr geführt.)
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