Jugendcafé Kumpelkammer in Riesa muss Mitte 2025 schließen
Das Jugendcafé "Kumpelkammer" in Riesa soll im Sommer 2025 schließen. Das sieht der Riesaer Doppelhaushalt 2025/26 vor, der derzeit erstellt und in der Stadtratssitzung am 12. März beschlossen werden soll. Die Kumpelkammer wurde als Projekt zur Förderung der Kinder- und Jugendbeteiligung ins Leben gerufen. Ziel war es, jungen Menschen einen Raum für Mitbestimmung, gemeinschaftliches Engagement und Eigenverantwortung zu bieten. Das Mitte 2020 gestartete Projekt ist ein Beispiel für beteiligungsorientierte Stadtentwicklung von und mit jungen Menschen. Die Stadt Riesa initiierte das Projekt und übernahm die Miete für die Räume des "Jugendcafés“. Personal- und Sachkosten wurden für Outlaw durch Aktion Mensch gefördert.
Im Jahr 2024 wurden erste Gespräche zur zukünftigen Ausrichtung der Kumpelkammer geführt. Derzeit stehen innerhalb der Stadtverwaltung keine finanziellen Mittel für eine Weiterführung des Projekts zur Verfügung. Infolgedessen wurden mehrere Fördermittelanträge zur Sicherstellung der Fortführung gestellt, die jedoch abschlägig beschieden wurden. Somit wird das Projekt nach 5 Jahren Mitte 2025 auslaufen.
Treffmöglichkeit, Freizeitangebote und Gemeinschaft
Im Verlauf des Projekts konnten zahlreiche positive Entwicklungen verzeichnet werden. Die Kumpelkammer etablierte sich als stabile und verlässliche Treffmöglichkeit für Jugendliche. Neben offenen Freizeitangeboten fanden regelmäßig gemeinschaftlich geplante Aktivitäten statt, die nicht nur das soziale Miteinander stärkten, sondern auch die Selbstorganisation und Mitbestimmung der Teilnehmenden förderten.
Trotz intensiver Bemühungen konnte die vollständige Überleitung in eine selbstverwaltete Struktur nicht realisiert werden. Zum einen fiel der Projektstart mit der Corona-Pandemie zusammen, was zu Verzögerungen und Einschränkungen in der Umsetzung führte. Zum anderen war die Altersstruktur der beteiligten Jugendlichen gegen Ende des Projekts nicht mehr optimal für eine nachhaltige Selbstverwaltung. Dennoch hat das Projekt dazu beigetragen, bestehende Beteiligungsstrukturen zu stärken und wichtige Impulse für zukünftige Mitbestimmungsformate zu setzen. Das Ende des Projekts bedauern wir sehr, da die Kumpelkammer einen Beitrag zur Jugendpartizipation geleistet hat. Wir hoffen, dass die geschaffenen Strukturen und Erfahrungen langfristig wirken und die Idee der Mitgestaltung weiterhin gelebt wird.
Kürzungen haben Auswirkungen auf Qualität und Vielfalt der Angebote
"In der aktuellen Situation sehen sich unsere Projekte der Kinder- und Jugendarbeit mit einer Kürzung der städtischen Fördermittel konfrontiert. Die Haushaltskürzungen in der kommunalen Förderung haben unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität und Vielfalt der Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit sowohl im Bereich der regulären Öffnungszeit als auch bei der Vielzahl an Ferienaktivitäten", ordnet Anja Müller an, Teamleiterin bei Outlaw für die Projekte der Kinder- und Jugendarbeit in Riesa. Sie erläutert: "Zwar ist es nachvollziehbar, dass eine Kommune nur das ausgeben kann, was sie auch tatsächlich zur Verfügung hat, jedoch muss gerade in Zeiten begrenzter Mittel darauf geachtet werden, dass Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft – insbesondere die Förderung von Kindern und Jugendlichen – nicht gefährdet werden."
Kinder und Jugendliche stellen die Zukunft einer Stadt dar. Sie sind in einem entscheidenden Lebensabschnitt, in dem sie sowohl ihre sozialen Kompetenzen entwickeln als auch Perspektiven für ihre Zukunft aufbauen. Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit bieten den jungen Menschen nicht nur wertvolle Freizeitmöglichkeiten, sondern auch eine wichtige soziale Unterstützung und Orientierung. Sie helfen dabei, benachteiligte Gruppen zu integrieren, verhindern soziale Isolation und fördern die individuelle Entfaltung. Wenn diese Programme aufgrund von Kürzungen wegfallen oder stark eingeschränkt werden, verlieren viele Kinder und Jugendliche einen wichtigen Halt.
Die Folge: Langfristig kann das Fehlen geeigneter Angebote die Chancenungleichheit verstärken und soziale Probleme verschärfen. Kinder aus sozial schwächeren Familien haben oft keinen Zugang zu alternativen Fördermöglichkeiten und sind auf kommunale Einrichtungen angewiesen, die einen Raum für Entwicklung und Begegnung bieten. Indem wir diese Angebote einschränken, riskieren wir nicht nur das Wohl der betroffenen jungen Menschen, sondern auch die soziale Stabilität der gesamten Gesellschaft.
"Trotz der Kürzungen und der damit verbundenen Herausforderungen werden wir als Fachkräfte in der Jugendarbeit weiterhin mit vollem Einsatz und Kreativität für die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen da sein", betont Anja Müller und unterstreicht: "Wir setzen alles daran, auch mit begrenzten Ressourcen weiterhin ein abwechslungsreiches und förderliches Angebot zu schaffen. Durch verstärkte Kooperationen, ehrenamtliches Engagement und die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen müssen junge Menschen weiterhin die Unterstützung und Perspektiven erhalten, die sie verdienen!"
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