"Ihr fühlt euch immer ein bisschen an wie Familie": 10 Jahre HzE Wurzner Straße!
Wir gratulieren!
Vor zehn Jahren wurde der Weg für die Outlaw-Hilfen zur Erziehung Wurzner Straße geebnet. Zunächst unter den Namen Hilfen zur Erziehung Einertstraße startete die Familienhilfe im Leipziger Osten mit Susanne Herzfeld und einer weiteren Sozialpädagogin am 1. Februar 2016 als Anlaufstelle für Familien in der Einertstraße. Die Umbenennung erfolgte im Zuge der aktuellen Räumlichkeiten in der Wurzner Straße. Elmar Matzner war zunächst Bereichsleiter und begleitete von Anfang an alles mit, schließlich wurde er im März 2017 Team-Mitglied. Innerhalb von zwei Jahren wuchs das Team auf acht Mitarbeitende an – eine geballte Kompetenz bestehend aus Sozialpädagog:innen und Erziehungswissenschaftler:innen sowie unter anderem auch aus einer Diplom-Betriebswirt:in, Sozialbetriebswirt:in, Kinderschutzfachkraft, Fachkraft für tiergestützte Therapie und einem Psychotherapeuten für Kinder- und Jugendliche.
Das Hilfeangebot richtet sich besonders an junge Familien, die in eine Krise geraten sind und eine sozialpädagogische Familienhilfe benötigen. Enge Kooperationen bestehen dabei mit den Outlaw-Kitas Lutherstraße und Hildegardstraße. "Im Laufe der zehn Jahre haben wir als Team rund 170 Familien und Jugendliche betreut", sagt Teamleiterin Bianka Baumgärtel und führt weiter aus: "Oft arbeiten wir im Co-Team, was wir für fachlich sinnvoll erachten. Wir haben uns über die Jahre ein großes Vertrauen bei den Familien erarbeitet – wir ermöglichen ihnen sichere Beziehungserfahrungen und zeigen ihnen verschiedene Perspektiven und Ressourcen für ein positiveres Lebensgefühl auf."
Wirksamkeit der Arbeit
Den Menschen eine Stimme im System – gegen jegliche Stigmatisierung – zu geben, ihnen Teilhabe zu ermöglichen und sozialer Ungerechtigkeit entgegenzutreten, sind wichtige Antriebsfedern für Susanne Herzfeld und Elmar Matzner. Auch ein positives Rollenvorbild für die Kinder und Jugendlichen zu sein, ist ihnen ein Anliegen. Anlässlich des Jubiläums blicken sie stellvertretend für das ganze Team zurück. "Unvergesslich und ein Highlight ist die Familienfahrt nach Warnemünde im Jahr 2019. Beim ersten Erblicken der Ostsee gab es Jubelschreie, das war sehr berührend, denn viele der Familien waren zum ersten Mal am Meer", erzählt Susanne Herzfeld. Im darauf folgendem Jahr brach die weltweite Corona-Pandemie aus und ein Reisen war nicht möglich. "Die Fahrt ans Meer war so befreiend und verbindend, dass wir alle lange davon gezehrt haben. Das komplette Kontrastprogramm folgte im März 2020 mit dem ersten Lockdown", erinnert sich Susanne Herzfeld und Elmar Matzner erzählt weiter: "Wir durften über zwei Monate lang keine Hausbesuche durchführen und mussten enorm kreativ sein, um beständig zu den Familien Kontakt zu halten und diese soweit möglich angemessen zu begleiten. Neben den ganzen Videocalls druckten wir zum Beispiel massenhaft Kreativmaterial aus und schickten diese per Post. Oder wir stellten ihnen kleine Tagesaufgaben zur Beschäftigung." Ein Jahr später kam es mit den entsprechenden Auflagen erneut zu einer Reise an die Ostsee. Die sechs mitreisenden Familien konnten dabei die Tage selbst strukturieren und unabhängig voneinander auf die Angebote der Pädagog:innen eingehen. "Sie vernetzten sich schnell untereinander und kamen recht gut ohne uns aus. So richteten wir unsere Tagesgestaltung nach den Bedürfnissen der Familien", sagt Susanne Herzfeld lächelnd. Die Familien hätten nach der Rückkehr eine Messenger-Gruppe gegründet und tauschen sich auch heute noch regelmäßig aus. Die Wirksamkeit in der Arbeit mit und für die Familien erfahren zu können, ist ein großer Lohn für das HzE-Team.
Verschiedene Lebenswelten und Bildungsarbeit
Speziell war ebenso die Einzelfahrt mit dem Jugendlichen Moritz im Jahr 2022. Dank der großzügigen Unterstützung des Leipziger "Lumos - Stark für Kids e.V." erlebte der Jugendliche ein Wochenende ohne Einschränkungen und voll mit Erlebnissen und Zuwendung. Die Reise war zuerst mit einem weiteren Jugendlichen geplant, doch krankheitsbedingt sagte er ab. "Die Entscheidung, ob wir das Wochenende so umsetzen könnten, fiel schnell und eindeutig aus", erklärt Susanne Herzfeld und betont: "Auch für einen einzelnen jungen Menschen lohnt sich jeder Einsatz. Moritz sollte einmal in die Situation versetzt werden, einen satten Blick ins Leben zu riskieren, ohne Einschränkung, mit zugewandter Begleitung und frei in seinen Entscheidungen. Wir sahen in diesem Fall unsere Aufgabe darin, für seine Horizonterweiterung zu sorgen, denn Bildung hat schließlich nichts mit Anpassung zu tun! Wichtig war uns, dass er für seinen Realabschluss kämpft, die intensiven Gespräche haben viel dazu beigetragen." Sie planten verschiedene Ausflüge und besichtigten unter anderem in der Burg Hohnstein eine Ausstellung über das Konzentrationslager Hohnstein. "In der Diskussion mit Moritz konnten auch wir kritische, neue und vor allem jugendliche Blickwinkel zum Thema Rechtsextremismus erkennen und einnehmen", sagt Susanne Herzfeld.
Eine prägende Jugendfahrt war ebenso die von den Jugendlichen selbst erwählte Bildungsfahrt nach Prag im November 2024. Elmar Matzner erinnert sich daran, wie aufregend es für die Jugendlichen war und betont mit einem Lächeln: "Allein ihre Freude beim Einfahren in die Stadt zu beobachten, war diese kleine Reise wert." In Prag erlebten sie eine Stadt voller Kontraste – historische Gebäude und moderne Treffpunkte. Durch die Bildungs- und Erlebnisreise konnten die Jugendlichen ihrem manchmal hektischen Alltag entfliehen, sich aus Routinen lösen, neue Eindrücke sammeln und ihren Geist füttern und besonders wichtig: Sie wuchsen als Gruppe zusammen und lernten Kompromisse einzugehen sowie für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen.
Die Seele baumeln lassen
"Die Ferienfahrt ist ein wichtiger Baustein unserer Erlebnis- und Freizeitpädagogik. In einem entspannten Umfeld werden soziale Kompetenzen gefördert sowie Selbständigkeit und Eigenverantwortung durch Partizipation und Mitbestimmung gestärkt", sagt Susanne Herzfeld. Raus aus dem Alltag – das wurde mehrmals durch großzügige Spenden des "Lumos - Stark für Kids e.V." ermöglicht. Ob an den Blankensee oder ins Ferien- und Paddeldorf Coswig am See. Die jungen Teilnehmer:innen verbrachten Tage mit viel Freizeit, Freiheit, Selbstbestimmung, Gemeinschaft. Elmar Matzner bekräftigt die Relevanz solcher Aktivitäten: "In vielen unserer Familien gibt es keine Möglichkeit Kindern und Jugendlichen Ferienerlebnisse zu bieten. Die Förderung solcher Projekte ist daher von großer Bedeutung. Hier erlebe ich einen Rücklauf. Ich wünsche mir sehr, dass die Notwendigkeit erkannt wird und die Förderungsmöglichkeiten weitergeführt und auch ausgebaut werden."
Auch die "kleinen" Tagesausflüge gemeinsam mit ihren Familien in den Freizeit- und Erlebnispark Belantis, den Zoo Leipzig, das Wandern und die Kinobesuche bereichern und fördern die Jugendlichen. Bei der Alpaka-Wanderung lernten sie, sich auf den Rhythmus der sanftmütigen und durchaus auch störrischen Vierbeiner einzulassen – Geduld üben, nichts erzwingen, loslassen, entschleunigen – alles wertvolle Erfahrungen für ihr Leben und das Zusammenleben.
Immer das Ganze im Blick
Zu den regelmäßigen Angeboten des HzE-Teams zählen Nachhilfe, Koch-, Kreativ- und Kulturangebote. Vergangenes Jahr fand ein großes Backen mit den Familien und ihren Bezugspädagog:innen statt. Teamleiterin Bianka Baumgärtel betont: "Hinter der Aktion steckte bewusst mehr als nur Backfreude. Wir schaffen solche Angebote auch mal bewusst ohne Kinder und freuen uns am Ende immer sehr darüber, wenn es uns gelingt, dass sich Eltern finden und auch über unsere Angebote hinaus treffen, sich miteinander vernetzen und dadurch ihre Ressourcen stärken."
Eine wichtige Ressource und Partnerschaft stellt dabei auch Lumos dar. Der Verein unterstützt finanziell neben den Fahrten auch oft einzelne Aktionen und manchmal begleiten die Mitarbeitenden die Angebote, wie zum Beispiel das Löwenmalen-Projekt. Die angehenden Schulkinder werden außerdem seit Jahren von Lumos mit einer Grundausstattung an Schulmaterialien bedacht. Auch fragt das Lumos-Team jedes Jahr, wie sie bei der Realisierung der Weihnachtswünsche helfen können. Sogar für Veranstaltungen wie Sommerfeste unterstützt der Verein nach Bedarf mit Geldern. 2022 standen dem HzE-Team dafür schwierige Wetterverhältnisse bevor: "Der Termin stand schon ewig in unseren Kalendern, die Planungen und Vorbereitungen liefen seit Wochen auf Hochtouren. Doch es war Regen angekündigt und das nicht wenig. Wir haben das Beste daraus gemacht – im Verlauf des Festes kümmerte sich niemand mehr um den Regen. Der war halt da, störte aber die von uns gespürte Freude der Anwesenden nicht", erzählt Elmar Matzner lächelnd. Wind und Wetter kann und konnte dem HzE jedoch schon Einiges abverlangen. "Besonders in Erinnerung der Februar 2021, als über 30cm Neuschnee fielen und wir uns oftmals zu Fuß zu den Familien durchkämpften. Oder Starkregen letztes Jahr, nachdem zwei Kolleginnen klitschnass nach einem Hausbesuch, Schuhe und Socken im Büro trockneten", lacht Susanne Herzfeld und Elmar Matzner stimmt mit ein.
Die vielschichtigen Herausforderungen, schwierige Entscheidungen, krisenhafte Situationen – das HzE-Team Wurzner Straße meistert sie – seit zehn Jahren – immer im Blick das Ganze – das Wohl der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien. Letztes Jahr nahmen sie an einer Fortbildung für Einfache Sprache teil. "Wir möchten für alle Menschen im Hilfesetting von der Aufnahme bis zur Beendigung eine bessere Basis für eine Beteiligung schaffen – Partizipation aufgrund des Verstehens ermöglichen", erzählt Teamleiterin Bianka Baumgärtel. Und die ganze Arbeit, das Engagement und Herzblut wird gesehen und prägt die Familien. So adressierte eine Mutter einmal treffend zusammengefasst an das Team: "Ihr fühlt euch immer ein bisschen an wie Familie."
Im Namen von Outlaw und ihres Teams bedankt sich Teamleiterin Bianka Baumgärtel bei den Mitgliedern von "Lumos - Stark für Kids e.V.": "Ohne ihre Aktionen und ihre finanzielle Unterstützungen wären viele Angebote über unsere Arbeit hinaus nicht möglich. Wichtige Erlebnisse, die das Miteinander in den Familien und auch den Austausch mit anderen Familien und mit uns fördern. Wir sind über dieses Engagement sehr dankbar!"
Lumos - Stark für Kids e. V.
Die Mitglieder des Vereins wollen die Integration sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher unterstützen. Die Arbeit umfasst die Förderung von sozialer Integration durch umfangreiche und vielseitige Projekte und richtet sich vor allem an Familien mit relativ geringen Einkommen. Alle Projekte werden durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.
Mehr Informationen gibt es hier: www.lumos-starkfuerkids.de
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